Büchenwerra Historischer Themenweg nach Guxhagen

erstellt von Ralf Löber

Station 1 Speckenplatz
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Büchenwerra ist bekannt durch seine idyllische Lage, den Campingplatz, seine Gaststätten, Übernachtungsmöglichkeiten,
ein indisches Entspannungszentrum und den Fulda-Radweg R1.

Dieser Speckenplatz mit dem eckigen Pavillon wurde 2007 im Rahmen der Dorferneuerung (2004 – 2012) angelegt.
Warum haben wir ihm diesen eigenartigen Namen gegeben?
Bis zum Bau der Fuldabrücke im Jahre 1965 errichteten die Büchenwerraer Männer jedes Frühjahr einen Holzsteg über die Fulda, der für Fußgänger und max. Handwagen gedacht war. Dieser Steg – in unserem Dialekt „Specke“ genannt – musste aber jeden Herbst wegen Hochwassers bzw. Eisgangs wieder abgebaut werden.
(→ Hochwasserzeichen gegenüber an der Mauer der Scheune der Schreinerei Ebert)
Die Bauern durchquerten mit ihren Fuhrwerken eine Furt – etwa 400 Meter flussabwärts.



Das Gemälde ist vom Malerwinkel (Station12) aus entstanden. Die heutige Straße nach Ellenberg war damals
noch ein Feldweg.

Jenseits der Dorfstraße, da, wo jetzt die Metzgerei Hartung steht, befand sich die ehemalige Kilianskapelle. Ein erster Holzbau wurde wohl vom Heiligen Kilian (Ende 7. Jh.) begründet. Als dieser verfiel, errichteten die Guxhagen – Breitenauer Mönche an gleicher Stelle einen Steinbau (nach 1256), der im letzten Viertel des 19.Jhdts. leider abgerissen wurde.


Auf der anderen Seite der Uferstraße sehen Sie den Hof Lange, der im Mittelalter zum Besitz der Grafen von Reichenbach – zwischen Spangenberg und Hess. Lichtenau gelegen – gehörte. Über dem Vorbau erkennen Sie alte Haus- und Segenssprüche.
Dem Kästchen können Sie ein Faltblatt entnehmen, das den Verlauf des „Historischen Rundwanderweges“ aufzeigt.
Wenn Sie die Uferstraße//R1 weiter in Richtung Guxhagen gehen, erreichen Sie als nächste Station die neu errichtete Kilianskapelle.
Wir wünschen Ihnen viele interessante Eindrücke auf Ihrer Wanderung, dem etwa 6 km langen Rundweg.


Station 2 Kilianskapelle -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Bei den vorbereitenden Gesprächen zur Dorferneuerung (2004 – 2012) wurde der Wunsch nach einer kleinen Kapelle in Büchenwerra laut. Sie sollte an die historische Kilianskapelle erinnern, die da stand, wo sich heute die Metzgerei Hartung befindet.
Der Heilige Kilian, eigentlich der Apostel der Franken, hat wohl im letzten Drittel des 7.Jhdts. - also etwa 50 Jahre vor Bonifatius – hier missioniert und eine kleine Kapelle erbauen lassen (Urkunde des Bischofs Iringus von Würzburg).
Diese war lt. o.a. Urkunde in 1256 „durch hohes Alter zusammengestürzt“ und danach von den Mönchen des Klosters Breitenau in Guxhagen durch einen Steinbau ersetzt worden. Dieser wurde leider im letzten Viertel des 19.Jhdts. abgerissen. Seine Fundamentsteine wurden zur Uferbefestigung verwendet, beim Bau der Uferstraße wiederentdeckt und umgeben jetzt als Sitzsteine die Terrasse der neuen Kilianskapelle.

2005 gründete sich der „Kapellenverein“ mit dem Ziel der Errichtung und Unterhaltung einer kleinen Kapelle in Büchenwerra. Nach unendlichen Verhandlungen, intensivem Sammeln von Spenden und dem Zuwendungsbescheid der Dorferneuerungsbehörde wurde im Sommer 2009 der Grundstein im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes gelegt. Nach gut einem Jahr Bauzeit wurde im Frühherbst 2010 die Kapelle – wiederum mit einem Festgottesdienst - eingeweiht.
Seit 2011 finden alljährlich jeden Sonntag Nachmittag von Juni bis September kulturelle Veranstaltungen statt und im Winter monatlich eine Taizé-Andacht.


Im November 2014 wurde – nach einigen Schwierigkeiten – die Glocke mit der Aufschrift „Dem Dorf eine Seele geben“ eingeweiht, die am Ostersonntag 2015 (05. April) zum ersten Mal programmgemäß läutete.
Unsere Kapelle soll ein Ort der Stille sein, damit ihre Besucher Kraft schöpfen, zur Ruhe kommen und zu sich selbst finden können.
Wenn Sie nun zur nächsten Station, dem „Dicken Stein“ , weitergehen möchten, wenden Sie sich auf dem R1 in Richtung Guxhagen. - Nach etwa 200 Meter sehen Sie auf der gegenüberliegenden Seite einen Grasweg, der zur Fulda führt. Dort befand sich früher eine Furt, durch die die Bauern mit ihren Fuhrwerken fahren mussten, um auf ihre gegenüberliegenden Felder zu gelangen, weil es ja noch keine Brücke gab.

Station 3 Dicker Stein ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Sie befinden sich jetzt an der ehemaligen Gemarkungsgrenze zwischen der früher selbstständigen Gemeinde Büchenwerra und Guxhagen. Seit der Gebietsreform 1971 sind die Ortsteile Albshausen, Büchenwerra, Ellenberg, Grebenau und Wollrode mit Guxhagen zusammengeschlossen.
Die Sitzgruppe hat der in 2010 aufgelöste Heimat- und Verkehrsverein Guxhagen aufgestellt.


Wenn Sie über die Tafel hinweg Richtung Fuldaberg auf die andere Flussseite sehen, können Sie am Uferrand den sog. „Dicken Stein“ erkennen, um den sich die folgende Sage rankt. Peter Schmidt, der einzige Lehrer von Büchenwerra – denn nur von 1913 bis 1931 hatte dieser kleine Ort eine eigene Schule – hat sie aufgeschrieben:
Der Nick vom Fuldaberg
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Eines Tages war dem Fischer von Büchenwerra eine Nixe ins Netz gegangen. Damit war sie „gebannt“, und ihr neuer Herr brachte sie, ohne dass sie sich sträubte, nach Hause.
Zum Erstaunen der Fischersfamilie fing das Wasserweiblein bald an aufzuräumen, zu putzen, zu waschen und sogar zu kochen. Dabei war sie fröhlich und sang vom Morgen bis zum Abend. – Der Nick unterdessen, der seine Nixe vermisste, saß einsam auf dem „Dicken Stein“ unterhalb des Fuldabergs und blies traurige Weisen auf seiner Flöte.
Zwei Sonntagskinder, die sich mit mystischen Wesen unterhalten können, hörten ihn und fragten: „Nick, warum bist du denn so traurig?“ – „Mein Weiblein ist verschwunden und ich kann es nirgends finden“, antwortete er ganz niedergeschlagen. Da konnten ihm die Kinder verraten, wo sich die Nixe aufhielt. Schon am Abend schwamm das Wassermännlein die Fulda aufwärts, richtete sich am Ufer vor dem Fischerhause auf und lockte seine Frau mit seinen wundersamen Melodien wieder ins Wasser – so schnell, dass die Fischersleute sie gar nicht für ihre Dienste entlohnen konnten.
Als diese am anderen Morgen erwachten, hatten sich die Fischschuppen, die die Nixe beim Davoneilen in der Küche verloren hatte, in blanke Taler verwandelt. Da waren die Fischersleute auf einmal so wohlhabend geworden, dass sie den Armen des Dorfes etwas abgeben konnten.
Sie folgen jetzt dem R1 in Richtung Guxhagen zur nächsten Station, der jetzigen Schmiede.

Station 4 Schmiede --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
200 Meter von hier in Richtung Büchenwerra ist die Brücke der Umgehungsstraße zu sehen, die ab 1981 gebaut wurde, um den immer stärker gewordenen Verkehr aus den engen Straßen bzw. Gassen von Guxhagen herauszuhalten.
Die jetzige Kunstschmiede war seit mindestens 1520 eine landgräfliche Getreidemühle. Sie wurde „unter der Glocke“ vermeiert, d.h. dass die daran interessierten Müller öffentlich ihr Pachtgebot abgaben, das dann an den Landgrafen gezahlt werden musste. Mühlen boten ein gesichertes Einkommen, da sie „gebannt“ waren, d.h. die Bauern bestimmter Dörfer durften ihr Getreide nur dort abliefern.
Ein alter Müllerspruch lautete: „Das Maltern und das Kehren,
das muss den Müller ernähren.“
Ein Malter war ein altes Getreidemaß, das in Hessen etwa 130kg betrug. „Maltern“ bezeichnete den Lohn für das Mahlen des Getreides.
Manche Mühlen befanden sich auch in Erbleihe, d.h. dass der Pachtvertrag automatisch auf den Sohn überging.- 1579 hieß der Müller Hans Rockensüß. 1676 hatte Henrich Sinning die Mühle in Erbleihe.



Genau gegenüber auf der anderen Fuldaseite befand sich die Klostermühle, in der die zum größten Teil zum Kloster gehörenden Dörfer Büchenwerra und Ellenberg ihr Getreide ablieferten. Sie wurde Mitte der 1960er Jahre stillgelegt.
Aus der diesseitigen Mühle wurde um 1850 eine Papierfabrik, die 1884 in eine Farbenmühle umgewandelt wurde. Sie mahlte u.a. aus Frankreich kommendes Brauneisenerz zu Ockerstaub, der zu Farbe weiterverarbeitet wurde. Außerdem stellte man das sog. „Melsunger Schwarz“ her. Ab 1941 stand die Mühle still.
Nach dem 2.Weltkrieg (1939 – 45) wurde sie für verschiedenartige Zwecke genutzt, z.B. zur Pilzzucht, zur Herstellung von Ersatz-Brotaufstrichen, von Naturheilmitteln und zum Bau von Aquarien. Auch ein Fotograf hatte sich dort niedergelassen. 1967 kaufte der aus Kassel stammende Kunstschmied Jochen Wünsche das Gebäude, ließ den hohen Schornstein abreißen und richtete dort seine Werkstatt ein, in der er äußerst kunstvolle Schmiedearbeiten, u.a. Kirchturmhauben, fertigte. 2004 übernahm sein Nachfolger Michael Possinger die Werkstatt.


Wenn Sie an der Ecke der Bäckerei Most die Sellestraße hinaufschauen, sehen Sie die ehemalige kleine Dorfschmiede, die zu besichtigen ist.
 
                                                 
Die nächste Station (5) ist die ehemalige Synagoge und jüdische Schule des Ortes und befindet sich in etwa 100 Meter Entfernung auf der linken Seite. Anschließend finden Sie die Station 6 („Auf der Gemeinde“) rechts neben dem Gasthaus „Zur Linde“ auf der Grünfläche am Fuldaufer.

Station 6 Auf der Gemeinde --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Dieser Platz heißt „Auf der Gemeinde“, weil hier viele gemeindliche Aktivitäten stattfanden, z.B. Feste, das Aufstellen der Dreschmaschine, die Wäschebleiche u.a.
Auf der anderen Fuldaseite ist der romanische Kirchenbau der Klosteranlage Breitenau zu sehen, den Sie als Station 7 erreichen können.
1601 hatte Landgraf Moritz die Fulda von Kassel bis Bad Hersfeld schiffbar machen, d.h. den Fluss säubern, Ufer befestigen und Schleusen und Treidelpfade anlegen lassen, sodass die 20 – 25 Meter langen und ca. 1,5 Meter breiten Schiffe schneller und günstiger als die Fuhrleute die Waren transportieren konnten. Die 1848 fertiggestellte Eisenbahnlinie brachte dann allerdings die Schifffahrt zum Erliegen.
Um auf die andere Fuldaseite zu gelangen, gab es für Wagen eine Furt (50 Meter unterhalb), für Fußgänger eine Specke, d.h. einen hölzernen Steg vom Frühjahr bis zum Spätherbst ( sie musste im Winter wegen evtl. Hochwassers bzw. Eisgangs abgebaut werden) und das Kirchenschiff, auf dem die Kirchenbesucher übergesetzt wurden ( ca. 500 Meter oberhalb).
Im Siebenjährigen Krieg bauten die Franzosen die Specke ab und holzten auch den Gemeindewald ab, um Brennmaterial zu bekommen.
1812 wurden hier drei Linden gepflanzt (ehem. Gasthaus „Zur Linde“), deren letzte 1922 einem Sturm zum Opfer fiel.
Endlich wurde 1883/84 eine fünfbogige Sandsteinbrücke gebaut, die leider noch am 31.03.1945 von deutschen Pionieren gesprengt wurde, obwohl beherzte Bürger dies zu verhindern suchten.


Mit einem Behelfssteg über die Trümmerteile wurde für Fußgänger die Verbindung zum Breitenauer Ortsteil wiederhergestellt.

Als am 16.05.1943 die Edertalsperre von englischen Fliegern getroffen worden war, drückte das Hochwasser der Eder, die einen Kilometer westlich von hier in die Fulda mündet, das Fuldawasser so zurück, dass im Unterdorf die Häuser bis zum Erdgeschoss im Wasser standen. –
Eine neue Fuldabrücke wurde dann schließlich 1953 errichtet.
Unterhalb der Brücke erkennen Sie auf dieser Uferseite den Kombinationsbau von Gemeindeverwaltung und Feuerwehrgebäude.
Wenn Sie auf die kleine Brücke über den „Schwarzbach“ zurückgehen und sich mit dem Rücken vor das Gasthaus „Zur Linde“ stellen, sehen Sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein langgestrecktes Fachwerkhaus. In dessen Keller wurden beim Ausschachten in den frühen 1969er Jahren 2700 Silbergroschen (Münzen) gefunden, die einen Wert von etwa 65 Goldgulden hatten. Dies entsprach damals dem Gegenwert von zwei besten Reitpferden.
Dieses Geld hatte wohl der landgräfliche Amtmann vergraben, als er in den Kampf von Kleinenglis zog (Mainzer Stiftsfehde 1459-63). Er bewohnte das hinter dem Fachwerkhaus stehende Gebäude (schmale Fenster = Schießscharten), das sogar einen Brunnen im Keller aufweist, was bei einer Belagerung von großem Vorteil war.
Um zur Station 7 zu gelangen, überqueren Sie die Fuldsbrücke, biegen danach links ab und gehen am Fuldaufer ca. 200 Meter flussaufwärts entlang.

Station 7 Planskizze der Klosteranlage -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
1.Nachfolgerin der ehemaligen Klostermühle
2.Tafel mit dem Text des Vorgänger-Hessenliedes.
3.Ihr Standort am Ellenberger Fußweg/Kirchweg:
   
                             
4.Wehr
5.Kirchweg
6.Pfarrhaus
7.Ehemalige Klosterkirche (s. Info-Tafel 7a)
8.Zehntscheune mit „Gedenkstätte Breitenau“ (s. Info-Tafel 7b)
9.Sog. Grifter Tor/Durchgang zum Hotel Bellini
10.Statue Benediktiner Mönch (s. Info-Tafel 7c)
11.Ellenberger Straße

12.Breitenauer Friedhof (s. Info-Tafel 7d)
Weitere Erläuterungen zu 1. und 2.
s.u.
Zu 1.
In dieser Mühle wurde 1802 der Maler Carl Glinzer geboren, dessen Vater, der die Mühle betrieb, schon früh starb.
Bis zu seinem 10. Lebensjahr blieb er in Guxhagen-Breitenau, danach besuchte er die Schule in Kassel, wo sein zeichnerisches Talent entdeckt wurde. Einer seiner Lehrer war wohl auch Ludwig Emil Grimm, der Malerbruder der Gebrüder Grimm. Vor allem als Porträtist und Landschaftsmaler machte Glinzer sich einen Namen.
Zu 2.
Das Vorgänger-Hessenlied wurde von Carl Altmüller (1833-88), dem Direktor der Murhardschen Bibliothek in Kassel geschrieben.
Der Text lautet (Auszug):                                                  Hier ist allerdings die letzte Strophe aufgeschrieben:

„Ich weiß ein teuerwertes Land,                                            „Herr Gott, wenn einst mein Leben stirbt
mein Herz ist zu ihm hingebannt.                                              und seine erste Ruh`erwirbt,
Ich kann es nimmermehr vergessen,                                         laß mich in meiner letzten Wiegen
das liebe Land der blinden Hessen…..“                                     daheim im Hessenlande liegen….“

Das von Carl Pressler verfasste und seit 1951 offizielle Hessenlied lautet:

„Ich kenn ein Land, so reich und so schön,                                    Vom Main bis zur Weser, Werra und Lahn,
voll goldener Ähren die Felder.                                                       ein Land voller blühender Auen!
Dort grünen vom Tal bis zu sonnigen Höh`n                                  Dort glänzen die Städte, die alle wir sah`n,
viele dunkele duftige Wälder!                                                         Sind herrlich im Lichte zu schauen.
Ref.:                                                                                                Ref.:
Dort hab`ich als Kind an der Mutter Hand                                      Dort hab`ich als Kind…..“
in Blüten und Blumen gesessen.
Ich grüß dich, du Heimat, du herrliches Land!
Herz Deutschlands, mein blühendes Hessen!

Station 7a Klosterkirche Guxhagen-Breitenau -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Liebe Besucher des ehemaligen Benediktiner-Klosters Guxhagen-Breitenau in der „breiten Aue“ (= Breitenau),
die durch die Flusstäler zwischen Eder und Fulda gebildet wird.

Wir freuen uns, Sie vor der ehemaligen Klosterkirche des Benediktinerordens begrüßen zu können. Sie befinden sich in einer Anlage mit über 900-jähriger Geschichte. Deshalb nehmen Sie sich bitte die Zeit, diesen Ort auf sich wirken und sich von der Atmosphäre inspirieren zu lassen. Schon die damaligen Mönche wollten sich vor der Unruhe der Welt zurückziehen, um sich auf die Zwiegespräche mit Gott konzentrieren zu können. Darin eingebunden waren auch die Ordensregeln: Bete und arbeite! und das Mönchsgelübde, das auf Armut, Keuschheit und Gehorsam beruhte.

Wenn Sie diese Information gelesen haben, werden Sie sehen, wie wechselvoll die Nutzung dieser ehemaligen Klosteranlage war. Dennoch ist ihre Kirche die einzige „des Rundbogenstyls“ (der Hirsauer) in Hessen, die sich noch unter „Dach und Fach“ befindet. In ihr zeigt sich eine so „ausgebildete Kunst“, sie ist als „uns anvertrautes, wertvolles Vermächtnis zu betrachten“, das wiederhergestellt werden sollte, um „der Nachwelt ein würdiges Bild des ehemaligen Benediktinerklosters Breitenau zu zeigen“. (Landau [?] „Kurfürstenthum Hessen“)
Die Gründung und Blütezeit
Das Kloster wurde 1113 von Graf Werner von Grüningen, einem Freund von Kaiser Heinrich V., gegründet. Werner brauchte als „Landgraf“ ein Verwaltungszentrum und eine repräsentative Grablege. Sein Kopf und der seiner Frau Gisela sind an der südlichen Giebelseite des Westwerks zu sehen.-
Das Kloster wurde besiedelt von Benediktinermönchen aus Hirsau im Schwarzwald, die nicht nur in Breitenau, sondern auch in zahlreichen anderen nordhessischen und thüringischen Klöstern (z.B. Burghasungen, Amöneburg und Paulinzella) den Abt und die Mönche stellten und dort wirkten.
Um 1120 wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Zeichnungen, ein Modell und Fotos von ähnlich gebauten Kirchen (s.Rundgang in der Kirche) veranschaulichen das frühere Aussehen.
Ehemaliger Grundriss:

Das Kloster zählte von der Mitte des 12. bis Ende des 15. Jahrhunderts zu den bedeutendsten in Hessen.
Nachdem es fast 400 Jahre bestanden hatte, wurde der Ostteil des ursprünglich romanischen Kirchengebäudes Anfang 1500 im gotischen Stil umgebaut, wohl als äußeres Zeichen, nachdem die Mönche durch die „Bursfelder Kongregation“ auf stärkere Einhaltung der Regeln hingewiesen worden waren.
Reformation und Umbauten
Schon einige Jahre später wurde das Kloster 1527 im Zuge der Reformation durch Landgraf Philipp aufgelöst, und eine sehr wechselvolle Nutzung setzte ein. Die Klosteranlage wurde in ein landgräfliches Hofgut umgewandelt und die ehemalige Klosterkirche diente z.B. seit 1579 als Kornspeicher und Pferdestall, nachdem die Seitenschiffe abgerissen und Zwischenböden eingezogen worden waren. – Der Gottesdienst fand in der kleineren Nikolauskirche (100 Meter südlich) auf dem Friedhof statt.
Beschreibung der Klosteranlage
Ein ganz klares Bild, das Breitenau vor und während der Säkularisation bot, können wir uns nicht machen, da keine ganz genauen Beschreibungen vorliegen.
Wie noch heute, so war schon damals das weitläufige, über 70.000m² umfassende Klostergelände von einer hohen Mauer umgeben. Sie wurde durchbrochen von zwei mit Türmen bewehrten Toren, das nach Westen zeigende Grifter Tor, und das entgegengesetzte, an der Fulda gelegene Wassertor, das bereits vor 1800 abgerissen worden sein soll. Dieses Tor führte zu einer Specke (= Sommer-Behelfsbrücke aus Holz) über die Fulda nach Guxhagen.
In der Mitte des Klostergeländes steht noch heute fest gefügt die alles überragende, der Jungfrau Maria geweihte Klosterkirche. Auch die Zehntscheune und die kleine Nikolauskapelle sind auf der von Dillich angefertigten Zeichnung deutlich zu erkennen.Klosteranlage Breitenau und das Dorf Guxhagen 1615 (Zeichnung von Dillich 1615; Ausschnitt)

Am Beginn des 17.Jhdts. ließ Landgraf Moritz das ehemalige Kloster zu einem „Lustschloss“ und Hofgut umbauen.
Dreißigjähriger Krieg und Folgezeit
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage mit den Glockentürmen zweimal zerstört. Die drei Glocken und die wertvolle Bücherei wurden geraubt. – Die Gebäude begannen dann zu verfallen.


Stahlstich aus dem Jahr 1842
Neuzeit
Nachdem man im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 etwa 750 Franzosen dort gefangen gehalten (s. Station 7d: Breitenauer Friedhof), von denen sieben starben, erfolgte ab 1874 die Nutzung des ehemaligen Klosterkomplexes als „Corrections- und Landarmenanstalt“ für Bettler, Landstreicher, Prostituierte und Landarme. Erst zu dieser Zeit wurde der Ostteil der Klosterkirche wieder zur Gemeindekirche umgebaut. Sie erhielt 1900 den jetzigen Turm und als Geläut eine der Maria geweihte Glocke von 1401 aus dem Fuldaer Dom und eine weitere neu gegossene. 1987 entstand durch eine dritte Glocke ein wundervoller Dreiklang.
In den nun folgenden 100 Jahren wurden hinter den hohen Klostermauern Menschen eingesperrt; sogar das abgetrennte Mittelschiff der Kirche diente als Haftstätte. In der NS-Zeit wurde auf dem ehemaligen Klostergelände zunächst ein frühes Konzentrationslager für deutsche politische Gefangene (1933/34) und während des Krieges ein Arbeitserziehungslager der Geheimen Staatspolizei Kassel für deutsche und ausländische Gefangene eingerichtet. - Leider wurden ganz kurz vor Kriegsende noch 28 ausländische Gefangene erschossen. (s. Station 9)
Nach dem Krieg befand sich hier ein geschlossenes Erziehungsheim für Mädchen (bis 1973).
Heute ist auf dem Gelände eine Einrichtung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (Vitos Rehabilitation psychisch kranker Menschen und Vitos begleitende psychiatrische Dienste) untergebracht.
Dem Kästchen können Sie ein Faltblatt entnehmen, das den Verlauf des „Historischen Rundwanderweges“ aufzeigt.
In der Zehntscheune (Treppengiebel) befindet sich die Gedenkstätte Breitenau (Station 7b), die an die Geschehnisse in der NS-Zeit und das Schicksal der dort Inhaftierten und Verfolgten (ca. 8000) erinnert. Dorthin gelangen Sie auf dem Schotterweg durch den Mauerdurchbruch.
Trotz dieser düsteren Geschehnisse wünschen wir Ihnen einen besinnlichen Aufenthalt und verabschieden uns mit „bene dictus – sei gesegnet“!

Station 7b Zehntscheune mit der Gedenkstätte Breitenau ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Die ehemalige Zehntscheune des Klosters Breitenau stammt aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. In ihr wurden die Abgaben der Bauern an das Kloster (der zehnte Teil ihrer Einnahmen) gelagert. Das eindrucksvolle Bauwerk mit den beiden Treppengiebeln ist gleichzeitig ein Ausdruck der wirtschaftlichen Bedeutung des damaligen Klosters, zu dem Besitzungen in etwa 100 hessischen Ortschaften gehörten.

Nachdem 1790/91 die Nikolauskapelle, die auf dem jetzigen Breitenauer Friedhof stand, wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste, fand nun der Gottesdienst in der Zehntscheune statt. (Die eigentliche Klosterkirche wurde noch als Stall und Scheune genutzt.)
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde ab 1874 im Klostergelände eine Landarmen- und Korrektionsanstalt eingerichtet. Die Zehntscheune wurde nun zu Beamtenwohnungen umgebaut. – Daher wurde der Gottesdienst nach über 350 Jahren ab 1874 in den Ostteil der Klosterkirche zurückverlegt.
Als Sohn des Rechnungsprüfers Ernst Paulus wurde 1890 hier in der Zehntscheune Friedrich Paulus geboren, der spätere Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der 6.Armee, die in Stalingrad aufgrund seines Durchhaltebefehls unnötig aufgerieben wurde und schließlich kapitulieren musste.
Seit 1984 befindet sich in dem Gebäude die Gedenkstätte Breitenau. Sie entstand aus einem Forschungsprojekt an der Universität Kassel und erinnert an die Verfolgten und Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers (1933/34) und späteren Arbeitserziehungslagers (AEL) Breitenau (1940-1945). Die beiden Lager waren die zentralen Haftstätten der Geheimen Staatspolizei Kassel für Gefangene aus dem gesamten Regierungsbezirk. Etwa 1.800 der fast 9.000 Gefangenen aus über zwanzig Ländern wurden von Breitenau in verschiedene Konzentrationslager wie Buchenwald, Ravensbrück, Sachsenhausen, Dachau und Auschwitz deportiert. In der Gedenkstätte befinden sich eine künstlerisch gestaltete Dauerausstellung, ein Filmraum mit einem Einführungsfilm, ein Archiv und ein Bibliotheksraum. Für Schulklassen, Gruppen und Einzelbesucher werden Führungen und Studienbesuche angeboten. Dabei werden auch historische Hafträume in der ehemaligen Klosterkirche besichtigt, und man kann sich mit vielen Einzelschicksalen und regionalen Bezügen auseinander setzen. Außerdem finden zahlreiche Bildungsveranstaltungen statt. Der Besuch der Gedenkstätte ist kostenlos, und sonntags wird um 14.30 Uhr eine Führung für Einzelbesucher angeboten. Für Gruppenbesuche ist eine telefonische Voranmeldung erforderlich.
(www.gedenkstaette-breitenau.de )

Station 7c Bronzestatue eines Benediktiner Mönches ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Dieses Standbild eines Mönches soll an die Glaubensbrüder des Hl. Benedikt erinnern, die 1119 in das sechs Jahre zuvor gegründete Kloster in der „breiten Aue“ (Kloster Breitenau) einzogen.
Sie kamen aus dem Kloster Hirsau im Schwarzwald, das zu der Zeit das führende Kloster in Deutschland war. Graf Werner, der Gründer des Klosters, hatte sie – wohl auch, weil er selbst aus Grüningen nahe bei Hirsau stammte – von dort erbeten.
Schon die damaligen Mönche lebten nach der Ordensregel: „Bete und arbeite!“ und nach ihrem Gelübde, das auf Armut, Keuschheit und Gehorsam beruhte.
Ein Jahr nach ihrer Ankunft begannen sie unter der Leitung des Abtes Drutwin mit dem Bau der für unsere Verhältnisse riesigen Kirche, sodass der in 1121 gestorbene Stifter im Chor beerdigt werden konnte. Durch reichliche Schenkungen vermehrte sich der Klosterbesitz enorm auf etwa 1600 Hektar an „Äckern, Wiesen, Weinbergen und Waldungen“. Dadurch konnte beständig an der Kirche weitergebaut werden.
Die Breitenauer Äbte hatten eine herausragende Stellung. So hielten sie z.B. das Niedergericht (z.B. bei Diebstählen) für die Dörfer in der Umgebung ab. Der Papst hatte ihnen ab 1239 das Recht verliehen, eine Inful - eine Art Bischofsmütze – zu tragen. Außerdem war einer von ihnen maßgeblich am Frieden nach dem Thüringisch-Hessischen Erbfolgekrieg 1263 beteiligt.
Ab dem gleichen Jahr durfte das Kloster dank eines Sonderrechts z.B. vor Ostern, in der eigentlich stillen Zeit einen Gottesdienst mit Glockengeläut halten, was wiederum Spenden oder Schenkungen einbrachte. So schenkte z.B. Werner, genannt Ruchfus, aus Kukushayn (Guxhagen) 1352 dem Kloster eine Hufe Land (ca. 30 Acker) in Büchenwerra.
Wegen der Bedeutung des Klosters traten auch manche Adlige in den Orden ein, so auch einer der reichsten Herren dieser Gegend, Graf Albert von Schauenburg, bzw. der Herr von Slutwinsdorf, der Herr von Schönberg und auch der von Gilsa.

1309 war das Kloster so reich, dass es Landgraf Johann Land bzw. Wald zur Anlage seiner neuen Hauptstadt, die zwischen Breitenau und Dörnhagen entstehen sollte, verkaufen wollte.
Dennoch waren die Mönche in der Wahl ihrer Mittel zur Besitzvermehrung nicht wählerisch. So behauptete Abt Werner 1325, sie lebten unter einem „widrigen und verderbten Volke“ und 1465 beklagten die Mönche, sie „litten unter Mangel an Fischen“ – trotz der Nähe zu den Flüssen Fulda und Eder – und das alles, um päpstliche Privilegien zu bekommen
Seit 1498 wurde der Abt zu den hessischen Landtagen herangezogen, was auch wieder seine Bedeutung und die des Klosters unterstreicht.
Kurz nach 1500 schrieb ein Breitenauer Mönch ein Lied über die Entstehung des Klosters in unzähligen Strophen:
                                                                        „Ein groß Ding ich euch sagen will,
                                                                         Es bringt euch ja der Freuden viel,
                                                                        Von einem Kloster hübsch und fein,
                                                                        Darinnen viel geistliche Brüder sein.
                                                                        Das Kloster wir euch nennen woll`n,
                                                                                  Und euch klar eröffnen soll`n:
                                                                                  Breitenau ist es genannt,
                                                                        Im Hessenlande wohlbekannt….“

Der Ostteil des ursprünglich romanischen Kirchengebäudes wurde in dieser Zeit im gotischen Stil umgebaut. Allerdings wurde das Kloster schon 1527 nach der Reformation in Hessen (Landgraf Philipp) aufgelöst und in ein landgräfliches Hofgut umgewandelt, dem ein Vogt vorstand. Einige der Mönche wurden Pfarrer in den umliegenden Dörfern, so z.B. der Prior Theobald Zabel in Guxhagen. Die anderen, wie der letzte Abt Johann Maier, durften im Kloster wohnen bleiben.
Hinweisen möchten wir Sie noch auf die Klostermauer, die die gesamte Klosteranlage umgab, und das sog. „Grifter Tor“ – jetzt Hotel Bellini . Dieses Tor öffnete das Klostergebäude in Richtung Grifte, das entgegengesetzte „Wassertor“ in Richtung des Flusses Fulda.
Warum hat unser Mönch einen Kuckuck auf der Schulter? – Sie erinnern sich an die erste Ortsbezeichnung von Guxhagen, nämlich Kukushayn. Dieser Name bedeutet nichts anderes, als dass in einem Hain, einem Wäldchen, wohl viele Kuckucke gerufen haben.
Auf dem Kirchweg gehen Sie zurück bis zur Station 7d, dem Breitenauer Friedhof.

Station 7d Breitenauer Friedhof
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Auf dem Breitenauer Friedhof stand die erste kleine, dem Hl. Nikolaus geweihte, einschiffige Kapelle mit einem verhältnismäßig mächtigen Turm und einer Apsis.

Sie diente wohl den Mönchen von 1119 bis etwa 1140, als endlich wenigstens der Chor der großen Klosterkirche als Gottesdienstraum genutzt werden konnte, als Betstätte.
Als Ende des 16.Jhdts. die Klosterkirche zu einem Pferdestall mit Scheune umgebaut worden war, wurde die Nikolauskapelle von der evangelischen Gemeinde als Pfarrkirche genutzt.. Da eine Orgel fehlte, spendeten 1660 89 Personen 31 Taler, 8 Silbergroschen und 7 Heller. Allerdings musste das Kirchlein 1790/91 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Der Gottesdienst fand nun im Untergeschoss der ehemaligen Zehntscheune statt, bis 1874 Chor, Querschiff und ein kleiner Teil des Längsschiffs der Klosterkirche wieder für den Gottesdienst hergerichtet wurden.
Sie diente wohl den Mönchen von 1119 bis etwa 1140, als endlich wenigstens der Chor der großen Klosterkirche als Gottesdienstraum genutzt werden konnte, als Betstätte.
Als Ende des 16.Jhdts. die Klosterkirche zu einem Pferdestall mit Scheune umgebaut worden war, wurde die Nikolauskapelle von der evangelischen Gemeinde als Pfarrkirche genutzt.. Da eine Orgel fehlte, spendeten 1660 89 Personen 31 Taler, 8 Silbergroschen und 7 Heller. Allerdings musste das Kirchlein 1790/91 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Der Gottesdienst fand nun im Untergeschoss der ehemaligen Zehntscheune statt, bis 1874 Chor, Querschiff und ein kleiner Teil des Längsschiffs der Klosterkirche wieder für den Gottesdienst hergerichtet wurden.
In den frühen Morgenstunden des Karfreitags 1945, dem 30. März, kam es unweit des Klostergeländes am Fuldaberg (ca . 500 Meter südlich; s. Station 9) zur Ermordung von 28 Gefangenen durch die Gestapo Kassel. Ihre Leichen wurden vor Ort in einem Massengrab verscharrt, später jedoch exhumiert und am 25.04.1945 auf dem Friedhof beigesetzt.
Zur Erinnerung errichtete man 1954 ein Holzkreuz mit der Aufschrift :
„Unbekannte Opfer der Gestapo –
Geopferte mahnen Euch –
Menschen laßt nicht ab vom Streben nach Frieden und Recht.
31.III. 1945“
Inzwischen konnten 11 der Toten identifiziert werden.
1961 wurden diese Erschossenen und weitere 30 Gestapo-Opfer auf den Kriegsopfer- und Ehrenfriedhof Ludwigstein bei Witzenhausen umgebettet. Das Holzkreuz wurde dort wieder aufgestellt.
Vier Breitenauer Pfarrer sind ebenfalls hier beigesetzt. Auffallend sind die Ruhestätten von Georg Moritz Avenarius (Pfarrer von 1844 – 1871), dessen Grabstein als hohe Säule emporragt, und das von Heinrich Wilhelm Altmüller (Pfarrer von 1874 – 1888), dessen Grab von einer Metallplatte mit einem Modell der Stadt Jerusalem bedeckt wird.


Interessant ist, dass auf dem Friedhof mehrere Eibenbäume wachsen, die wegen ihrer Giftigkeit in früheren Zeiten als Bäume des Todes galten.
Um zur Station 8 zu gelangen, gehen Sie jetzt wieder zurück zum Fuldaufer und biegen nach rechts auf den Ellenberger Fußweg ab und folgen der Fulda flussaufwärts.

Station 8 Umgehungsstraße
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Diese Station befindet sich direkt an der ehemaligen Klostermauer. Die von hier aus zu sehende hohe Brücke mit der Umgehungsstraße wurde ab 1980/81 endlich gebaut. Es ist kaum mehr vorstellbar, dass in den Jahren davor der gesamte Verkehr durch den Ortskern von Guxhagen mit seinen engen Gassen rollte – vor allem auch deshalb, weil seit 1973 der Autobahnanschluss bestand, wodurch der Verkehr noch enorm zugenommen hatte.

Der Vorgängerbau des vor Ihnen liegenden Fachwerkhauses war das frühere Fährhaus. Bis zum Bau der Guxhagener Brücke über die Fulda 1884 stakte der Fährmann die zu befördernden Personen mit seiner Fähre nach ihrem Ruf „Hol über“ an das andere Ufer. An dieser Stelle befand sich auch das Gasthaus Riedemann, das nach dem Brückenbau in Guxhagen aus verständlichen Gründen an seinen heutigen Standort direkt neben der Brücke auf der gleichen Fuldaseite umsiedelte.
Neben dem Fährboot gab es noch das sogenannte Kirchenschiff, das bis zu 100 Kirchenbesucher fasste und diese zum Gottesdienst übersetzte.
Zusätzlich gab es auch eine „Specke“, einen Holzsteg für Fußgänger, der aber über den Winter wegen eines evtl. Hochwassers bzw. Eisgangs alljährlich abgebaut werden musste.
Bis 1975 das wunderschön „Unter den Eichen“ gelegene Schwimmbad eröffnet wurde, befand sich – etwas flussabwärts – die „Badeanstalt“ mit aus Brettern gefertigten Umkleidehäuschen. Auch heute noch erfrischen sich im Sommer Wasserfreunde vor dem Wehr, weil dort die Fulda verhältnismäßig tief ist.
Der mächtige Kastanienbaum – direkt vor dem Damm der Umgehungsstraße – ist bei deren Bau glücklicherweise stehengeblieben.
Auf der anderen Flussseite sehen Sie das Baugebiet „Am Stad“ (von Gestade = Ufer) und erkennen zwischen dem Fachwerkhaus und dem kleinen Pumphäuschen durchblickend ein langgestrecktes Industriegebäude, die frühere Mühle und jetzige Kunstschlosserei.
Auf dem Ellenberger Fußweg gehen Sie unter der Brücke der Umgehungsstraße den Fuldaberg hoch bis zur (nächsten)

Station 9, dem Massengrab.
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Station 10 Das sogenannte „Ehrenmal“ am Fuldaberg ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Im Herbst 1933 mussten Gefangene des frühen Konzentrationslagers Breitenau ein sog. „Ehrenmal“ errichten, für das die Gefangenen zunächst am Hang eine große Trockenmauer bauen mussten, die im Mittelteil von einer Nische unterbrochen wurde.
Wochenlang sollen die Häftlinge für die Mauer Feldsteine aus der Umgebung herangeschleppt haben. In die Nische wurde ein überdachter Aussichtssitz mit einer Bank eingebaut, von der aus man über die Fuldalandschaft blicken konnte. An der Rückwand der Nische war außerdem ein Emblem mit einer SS-Rune angebracht – vergleichbar mit einem Medaillon - , was auf die damalige SS-Wachmannschaft zurückgeht.
Im Giebel befand sich eine Inschrift mit dem Text: „Erbaut im Jahre der nat.(ionalen) Erhebung 1933 durch Insassen des Konzentrationslagers Breitenau“ und ein Hakenkreuz.
Ob die Inschrift später entfernt wurde oder ob sie , weil die Gefangenen angeblich bestimmte Mineralien in den Mörtel gemischt hatten, ausgewaschen wurde, ist nicht bekannt.
Der Bau dieses „Ehrenmals“ geschah zu einem Zeitpunkt, als in Deutschland mehr als 60 frühe Konzentrationslager für überwiegend deutsche politische Gegner existierten. Über fast alle diese Lager wurde in Zeitungsartikeln berichtet. Das „Ehrenmal“ macht heute noch die Verfolgung der Gegner und die Existenz des Konzentrationslagers Breitenau auf eine besondere Art öffentlich. Die beiden Figuren links und rechts, die den Giebel symbolisch tragen, sollten zwei Arbeiter darstellen. Der eine stützt sich auf einen Hammer, der andere auf einen Spaten. Die Köpfe der beiden Figuren seien bereits bei der Einweihung abgeschlagen worden, aber es fehlen genauere Informationen.
(www.gedenkstaette-breitenau.de )

Station 11 Blick auf Büchenwerra
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So eben sind Sie durch den Fuldaberg gewandert und blicken nun auf das kleine Dorf Büchenwerra mit seinen nur etwa 200 Einwohnern.

                                                                             
Die erste Nennung von 786 ist fraglich, jedoch ist die von 1057 durch eine Urkunde, in der es um einen Vergleich zwischen dem Erzbischof von Mainz und dem Abt von Hersfeld geht und in der wohl ursprüngliche Grenzen festgehalten werden sollten, abgesichert.
Der Ort wird total von einer Schleife der Fulda umflossen, sodass er wie auf einer Halbinsel liegt. So lässt sich auch der Name erklären, der nichts mit dem Fluss „Werra“ zu tun hat, sondern abgeleitet ist von „Werder“ (Insel oder Halbinsel; in unserem Dialekt: Werrer) - also bedeutet er eine mit „Buchen bestandene Halbinsel“.
Schon vor dem Jahr 700 hat wohl der Hl. Kilian hier eine kleine hölzerne Kapelle erbauen lassen, die Mitte des 13.Jhdts. durch einen Steinbau ersetzt, jedoch vor 1900 leider abgerissen wurde.
Jahrhundertelang gehörte das Dorf zum Kloster Breitenau bzw. nach der Reformation zum daraus entstandenen landgräflichen Hofgut.


Oft gab es Hochwasser bzw. Eisgang, sodass zwar die Felder verwüstet wurden, was aber der Fuldaschifffahrt (ab 1601) kaum Abbruch tat, bis 1848 die Eisenbahnlinie Bebra – Kassel fertiggestellt worden war.
Eine Brücke wurde erst 1965 gebaut, sodass die Bauern nicht mehr auf die Furt unterhalb des Dorfes angewiesen waren.
Heute ist Büchenwerra bekannt durch
                                        -seine idyllische Lage, bedingt durch die Fuldaschleife
                                        -seinen Campingplatz, der stark frequentiert wird
                                        -seine vielen Wochenendhäuser
                                        -seine Gaststätten mit einem guten Ruf
                                        -eine Schreinerwerkstatt, die Vollholz- und Binsenmöbel herstellt
                                        -seine Übernachtungsmöglichkeiten
                                        -ein indisches Entspannungszentrum und
                                       -den Fulda-Radweg R1, der in Hessen von der Rhön bis nach Bad Karlshafen führt.
Wenn Sie sich zur Autobahn wenden und über deren Brücke gehen, gelangen Sie nach Ellenberg mit seinen etwa 670 Einwohnern. Im nordhessischen Dialekt spricht man „Mellenberge“, was auf eine „Melle“, eine Gerichtsstätte, hinweist.
Um 1900 wurde beim Ackern ein Brandgrab aus der Steinzeit entdeckt mit einem 70 Zentimeter großen Menhir mit dreieckigen Verzierungen. Eine Nachbildung eines weiteren gefundenen Steins steht jetzt in der Mitte des Dorfes vor dem Dorfgemeinschaftshaus.
Eine erste Nennung des Ortes erfahren wir 1357, weil Ellenberg dem Gericht des Klosters Breitenau zugeordnet wurde. Dem Namen nach müsste das Dorf allerdings auf eine Gründung wohl um 800 zurückgehen.
Die jetzige Kirche stammt aus dem Jahr 1787. Dass es eine Vorgängerkirche gab, wissen wir aus zwei Quellen: Zum einen aus der gezeichneten Landtafel von Wilhelm Dillich (1615), auf der eine Kirche mit einem sehr hohen spitzen Turm zu sehen ist; zum anderen aus Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers Christianus Hugo von 1641, der schreibt, dass nach den Raubzügen im 30jährigen Krieg noch ein „silbernes Kelchlein und Schüsselein und ein geringes kleines Glöcklein verblieben“ sind.
Also hat es auch zu dieser Zeit bereits eine Kirche gegeben.
Diese kleine Glocke, die wegen ihres hellen Klangs auch „Silberglöckchen“ genannt wird, ist heute noch vorhanden und wird durch das Uhrwerk der Kirchturmuhr angeschlagen.
Wenn Sie nun den Grasweg entlang in Richtung Richtung Büchenwerra wandern, gelangen Sie - vorbei an einem modernen Kuhstall - zur nächsten Station, dem Malerwinkel.

Station 12 Malerwinkel
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Vor und nach dem 2.Weltkrieg haben die beiden Guxhagener Kunstmaler Martin Kramm und Paul Scholz oft hier gesessen und Büchenwerraer Motive gemalt, so z.B. folgendes Gemälde:
                                                                                                          
Es zeigt den Dorfkern. Die Specke, die hölzerne Behelfsbrücke, die jedes Frühjahr neu errichtet werden musste und den Sommer über Fußgängern und Handwagen zur Verfügung stand, ist hier nicht zu sehen, da sie einige Meter weiter flussabwärts verlief.
Im Jahr 2007 wurde dieser Platz im Rahmen der 950-Jahr-Feier von Büchenwerra (wieder) angelegt und von Buschwerk und Bäumen befreit, sodass man mit dem „Malerblick“ die „Uferpromenade“ des kleinen Ortes betrachten und sich an seiner idyllischen Lage erfreuen kann.
Dass die Fuldaschleife, die den Ort von drei Seiten umfließt, schon etwas Besonderes ist, zeigt z.B. die Beschreibung Winckelmanns in den „Fürstenthümer Hessens“ von 1697:
                                        „Oberhalb Breitenau macht die Fulda
                                         zwischen den Bergen zwey wundersame Krümmen
                                        gleich einem Brill fast zusammenlaufend,
                                        welches wunderbarlich anzusehen ist.“
Und ein „Sommerfrischler“ hat um 1935 ein Gedicht geschrieben, das auszugsweise wiedergegeben wird:
                                                       „Da, wo die Fulda ihren schönsten Bogen zieht,
                                                          umsäumt von Buch- und Fichtenwald…
                                                             Da liegt ein stiller kleiner Ort….
                                                                Du möchtest nimmermehr hier fort.“
                                                                (H.Ziegler)
Wenn Sie der Straße Richtung Büchenwerra folgen und die erst 1965 errichtete Brücke überqueren, erreichen Sie als nächste Station den „Speckenplatz“, die Station 1 unseres Rundwanderwegs.